Erinnerungen des Kirchenvorstehers Ernst Ohlmer

Ernst Ohlmer
Ernst Ohlmer

In Harsum vermehrte sich die Zahl der Evangelischen im Laufe der Jahre durch drei Umstände:
Anfang der 70er Jahre ließ sich dort ein evangelischer Ziegeleibesitzer Stille nieder, dssen Familie und Dienstboten ebenfalls evangelisch waren. Er hat dort gewohnt, bis er nach 1900 seine Ziegelei an seinen Nachfolger Pohl verkaufte, der ebenfalls evangelisch war. Seine Witwe hat noch mehrere Jahre in Hildesheim in der Galgenbergstraße gewohnt und stiftete der neuerbauten evangelischen Kapelle in Harsum auf meine Bitte 3000Mark für eine Orgel. Sie starb 1912.
Die Domäne Harsum wurde Ende der 70er Jahre an den noch heute in hohem Alter dort lebenden Amtsrat Lambrecht aus dem Braunschweigischen, den großen Wohltäter der Gemeinde, verpachtet bis zu ihrer Auflösung. Seine Familie und ein Teil seines Personals waren evangelisch.
Die Bahn Hildesheim-Lehrte, auf der Harsum wegen der dortigen großen Zuckerfabrik usw. eine nicht unbedeutende Station ist, zog eine Anzahl evangelischer Bahnbeamter dorthin.


Ich wurde am 1.Oktober 1904 als Bahnhofsvorsteher von Achim nach Harsum versetzt. Der Ort Harsum hatte außer etwa 2200 kathol., 150 evangelische Einwohner. Letztere re¬krutierten sich aus der Familie des Domänenpächters, Herrn Amtsrat Lambrecht, einem Teil seiner Angestellten und Arbeiter, Ziegeleibesitzer Pohl, einem Teil von dessen Arbeitern, den Eisenbahnstationsbeamten (Vorsteher und Assistenten), dem Gendarmen, dem Architekten Weferling und einem Steuerbeamten sowie deren Familienangehörigen. Außer den rein evangelischen Familien gab es noch verschiedene Mischehen in Harsum, deren Kinder aber nicht katholisch waren.

Die Harsumer Evangelischen waren bei St.Andreas in Hildesheim eingepfarrt. Die evangelischen Kinder besuchten die katholische Schule in Harsum. Am Sonnabendnachmittag kam aus Hildesheim ein evangelischer Lehrer und gab den evangelischen Kindern Religionsunterricht. Die Kosten hierfür zahl¬te außer dem Amtsrat Lambrecht der Evangelische Bund. Ein kirchlicher Verkehr zwischen St. Andreas und den meisten Harsumer Evangelischen, namentlich denjenigen, die in Mischehen lebten, bestand herzlich wenig, da z.Zt. nur 2 Geistliche bei der großen Stadtgemeinde St. Andreas im Amte waren und die sich wenig um die urnliegenden Orte von Hildesheim kümmern konnten.
Als ich mit meiner Familie zwischen dem 1.Oktober und Weihnachten 1904 in der Andreaskirche zum heiligen Abendmahl gehen wollte, und nachdem der Kirchendiener Hermann unsere Namen aufgeschrieben und diese dem Pastor Rehwinkel ge¬bracht hatte, kam der Kirchendiener zu uns zurück und sagte: Herr Pastor Rehwinkel möchte uns nach dem Abendmahl gern mal sprechen. Wie derselbe zu uns kam, sagte er, daß er am nächsten Dienstag das Kind eines Ziegeleiarbeiters in Harsum beerdigen müsse, wie die dortigen Verhältnisse wären, denn dies sei seine dortige erste Beerdigung. Leider konnten wir ihm auch keine Auskunft geben, da ich mich wegen der schwierigen dienstlichen Verhältnisse wenig um die kirchlichen Zustände in Harsum gekümmert hatte. Ich versprach jedoch Herrn Pastor Rehwinkel, daß ich mich nach allem erkundigen wolle, damit, wenn er käme, alles vorbereitet sei.
Nun erfuhr ich, dass die Gemeinde Harsum einen neue politischen Kirchhof neben dem Walde angelegt habe, auf dem auf Veranlassung des Herrn Amtsrat Lambrecht für die lutherischen Einwohner ein besonderes Anteil sei, und zwar sei dies der schönste Platz auf dem Friedhofe unmittelbar neben dem Walde. Der Gärtnereibesitzer Palandt aus Hildesheim habe die Einrichtung des Friedhofes vorgenommen, ferner erfuhr ich, daß vor einigen Jahren dem Superintendenten Juhle (St.Andreas), als er auf dem alten Harsumer Kirchhofe, zwischen Eisenbahn und Landstraße gelegen, eine Beerdigung vornehmen wollte, von dem katholischen Pastor Mellin das Betreten desselben in Amtstracht verboten worden sei. Erst nachdem Superintendent Juhle die Amtstracht abgelegt, habe er den Kirchhof betreten dürfen. Bei seiner Rückkehr zum Bahnhofe hätte ihm eine große Menge Katholiken unter Johlen und Schimpfen das Geleit gegeben.
Zu der Beerdigung des verstorbenen Kindes wurden sämtliche evangelischen Einwohner von Harsum eingeladen und waren dazu auch fast vollzählig erschienen. Aber auch eine große Anzahl katholischer Frauen und Kinder umstürmte den Leichenzug. Der katholische Kuhlengräber hatte oft Mühe, daß er dem Zuge Platz machen konnte. Diese Begleiter gingen aber nicht mit auf den Friedhof, sondern stellten sich an der Einfriedigung desselben im Walde auf. Dieses Schauspiel wie¬derholte sich bei jeder unserer in der Folge stattfindenden Beerdigungen, es ist sogar öfter vorgekommen, dass einige von den katholischen Lehrern den Unterricht aussetzten und die ganzen Klassen hinter dem Leichenzuge herstürmten. Eigentliche Störungen sind jedoch bei den Beerdigungen nicht vorge¬kommen.
Als der Leichenzug auf unserm Abteil des Friedhofes, der einen besonderen Eingang von dem Wege, der vom Dorf zum Walde führt, hat, angekommen war, wurde festgestellt, dass bereits 5 Gräber sich auf demselben befanden. Auf die Frage des Pastor Rehwinkel an den Kuhlengräber Meyer, wer denn die Beerdirrungen vorgenommen habe, antwortete dieser: „Niemand! Ich habe die Gräber gemacht, dann habe ich mit den Folgern ein Vaterunser gebetet und darnach die Kuhle zugeworfen.“ Also werden die Lutheraner in katholischen Orten behandelt.
Unter Vorantritt des Herrn Pastor Rehwinkel und unter Mitführung der Leiche ist der Leichenzug um unsern Kirchhofsteil gegangen, und ist derselbe als lutherischer Kirchhof eingeweiht. Selbstverständlich hat die Gemeinde hierbei verschiedene Gesänge gesungen. Und da hörte man, dass die Katholiken nebenan im Walde sagten: „Die Lutherischen können aber besser singen als wir.“
Meines Wissens ist die Beerdigung die erste evangelische kirchliche Handlung in Harsum nach der Gegenreforma¬tion. Bei der Reformation ist auch Harsum - wie alle anderen Orte um Hildesheim - lutherisch gewesen. Wenn in Harsum gesagt, wird, Luther hätte wollen nach Hildesheim, wie er aber vor Harsum gekommen, sei er wieder umgekehrt, so entspricht dies nicht den Tatsachen, denn Luther ist nie in unserer Gegend gewesen.
Diese Beerdigung kann auch wohl als die eigentli¬che Gründung der evangelischen Gemeinde Harsum betrachtet werden, denn bei den späteren evangelischen Beerdigungen, selbst bei solchen Leichenbegängnissen, bei denen der Tote ein Fremder war, hat die ganze evangelische Gemeinde gefolgt und der Geistliche hat die Leichenpredigt zu einem Gottes¬dienst ausgedehnt.
Der sehnliche Wunsch der Gemeindemitglieder, doch in Haraum evangelische Gottesdienste abzuhalten, mußte vor¬läufig zurückgestellt werden, da an der 17 000 Seelen großen Andreasgemeinde nur ein Superintendent (Juhle) und ein Pastor (Rehwinkel) angestellt waren, die auch noch Marienrode mitversorgen mußten. Da die Gemeindemitglieder in Harsum nun öfter Gelegenheit hatten, mit den beiden Geistlichen in Ver¬bindung zu treten und denselben klagten, daß es den meisten von ihnen nicht möglich sei, nach Hildesheim zur Kirche zu fahren, und wie verschiedene sagten, daß sie aus Familien¬rücksichten (Mischehen) seit Jahren keine Gottesdienste be¬sucht hätten, wurde es von der Kirchenbehörde dadurch ermög¬licht in Harsum evangelische Gottesdienste einzurichten, daß zur Andreaskirche junge Geistliche -Collaboratoren usw.— beordert wurden, die dann jeden dritten Sonntag in Harsum Gottesdienst hielten.
Als Raum für die Gottesdienste wurde der Schlaf¬saal in der z.Zt. stilliegenden Ziegelei des Herrn Pohl, der denselben bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte, eingerichtet. Nachdem durch Herrn Baurat Bühlmann von der Regie¬rung in Hildesheim festgestellt war, daß der Saal geeignet sei, eine größere Anzahl Personen aufzunehmen, wurde der evangelischen Gemeinde die Genehmigung erteilt, in demselben ihre Gottesdienste abzuhalten,
Ein Harmonium erhielt die Gemeinde vom Evangeli¬schen Bunde zunächst geliehen, und als man sah, mit welcher Hingebung die Gottesdienste von den Harsumer und auch von den Algermissener Evangelischen besucht wurden, erhielt die Gemeinde es geschenkt.
Jeden dritten Sonntag kam nachmittags von Hildes¬heim ein junger Geistlicher und Herr Lehrer Tostmann, der das Harmonium spielte, und dann wurde Gottesdienst gehalten. Der Saal war oft so voll von Besuchern, daß die vorhandenen Bänke zu Sitzplätzen nicht ausreichten und Stühle aus den Wartesäälen des gegenüberliegenden Bahnhofes geholt werden mußten. Dieserhalb stand ein großer Artikel in der Hildesheimer Kornackerschen Zeitung. Ein Stück derselben war der Eisenbahn-Direktion Hannover zur Kenntnisnahme zugesandt. Nachdem der Streckendezernent, Herr Reg.-Rat Conitz, ein treuer Lutheraner, der uns auch später noch treulich zur Seite gestanden, persönlich dem Sachverhalt festgestellt hatte, vor allem., daß in der Zeit unserer Gottesdienste keine Züge verkehrten die Wartesäle also geschlossen waren, und daß die Eisenbahnbeamten sich die Stühle herübergeholt und rechtzeitig zurück gebracht hatten, erhielten wir auf Widerruf die Genehmigung dazu. Die betreffende Zeitung erhielt entsprechenden Bescheid.
Unter den jungen Geistlichen war ein Pastor Wiebe der von Hildesheim an die Schloßkirche zu Hannover versetzt worden. Von hier aus hat er der ihm liebgewordenen Harsumer Gemeinde später wertvolle Dienste geleistet. An der Schlo߬kirche in Hannover war nämlich der Geh.Baurat Deufel von der Eisenbahn-Direktion im Kirchenvorstande. Diesen hatte Pastor Wiebe, jetzt Superintendent in Göttingen, auf unsere Gemeine aufmerksam gemacht. Bei dem späteren Bau der Kapelle haben Herr Geheimrat Deufel und Reg.-Rat Conitz uns wertvolle Dienste geleistet.
Im Jahre 1908 wurde an der Andreaskirche die 3. Pfarrstelle eingerichtet und mit Herrn Pastor Brandt besetzt. Dieser übernahm auch die Harsumer Gemeinde und hielt jeden dritten Sonntag und auch an Festtagen in dem Saale der Ziegelei die Gottesdienste ab. Da Herr Pastor Brandt nun auch die einzelnen Mitglieder der Gemeinde in Harsum besuchte, fühlte diese sich immer mehr der evangelischen Kirchengemeinschaft verbunden. Der Saal wurde nun immer mehr kirchlich einge¬richtet. Ein Tisch diente als Altar, hinter demselben wurde an der Wand ein grünes Tuch befestigt. Pastor Brandt brachte ein Kruzifix mit, Abendmahlsgeräte wurden von Hildesheimer Damen gestiftet. Nun wurde auch das heilige Abendmahl im Saale gefeiert. Es sind wohl die schönsten Gottesdienste, die je eine Gemeinde gefeiert hat, hier abgehalten worden. Es ist öfter vorgekommen, daß, wenn Herr Pastor Brandt sagte: „Wir singen Gesang Nr... Vers 1-4.", daß, wenn diese Verse gesungen waren, jemand von den Gemeindemitgliedern sagte: „Herr Pastor lassen Sie uns noch einige Verse singen." War noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Zuges, dann wurde dem Wunsche des Be treffenden entsprochen.
Nachdem nun die Gemeinde so fest gegründet war, mußte mit dem Umstand gerechnet werden, daß die Pohl'sche Ziegelei verkauft wurde, denn die Familie Pohl war bereits seit enigen Jahren von Harsum verzogen - die Ziegelei wurde auch von der Hannov.-Ziegelei-Vereinigung angekauft-. Wenn diese der Gemeinde auch die Benutzung des Saales für ihre Gottesdienst auch weiterhin erlaubte, so mußte doch damit gerechnet werden, daß die Ziegelei in andere Hände überging, uns der Saal ge¬kündigt wurde, und wir in Harsum keinen Ersatz fanden. Hinzu kam, daß die 3 Kaliwerke Siegfried, Fürstenhall und Rössing-Barnten ein Anschlußgleis nach Bahnhof Harsum bauten und auch planten, in dessen Nähe eine Arbeiterkolonie zu bauen, die Gemeinde also auf Zuwachs rechnen konnte. Es wurde von Herren Pastor Brandt, Weferling, dem Unterzeichneten und vielen anderen Mitgliedern der Gemeinde erwogen, ob es nicht besser wäre, uns eine Kapelle zu bauen. Hierbei wurde aus¬drücklich betont, ohne Mitwirkung des Amtsrat Larabrecht den Bau nicht vorzunehmen. Als ich darauf Herrn Amtsrat Lambrecht, dessen ganze Familie bisher regelmäßig an den Gottesdiensten teilgenommen hatte, in den Plan einweihte, meinte er: Es ist noch zu früh und dann - wohin bauen? Als ich ihm aber alles auseinandersetzte und ihm sagte, den Platz kaufen wir von der Eisenbahn, und zwar kaufen wir das Land hinter dem Teiche neben dem Elektrizitätswerke, erklärte er sich einverstanden und hielt treu zur Stange. Nachträglich konnte ich mir die Bedenken des Herrn Amtsrat Lambrecht gegen den Bau erklären, denn er kannte verschiedene Harsumer besser als ich und sah voraus, was kommen würde, und daß uns viele Kämpfe bevorstanden. Auf unseren Antrag an die Eisenbahn-Direktion Hannover wegen Ankauf des Grundstückes erhielten wir eine bejahende Antwort.
Nun traten wir an den Kirchenvorstand von St.Andreas wegen des Baues der Kapelle heran und teilten ihm mit, daß wir ein passendes Grundstück von der Eisenbahn kaufen könnten. Hierauf kamen Herr Superintendent Juhle, Pastor Brandt und einige Kirchenvorsteher von St.Andreas zur Besichtigung des Platzes nach Harsum. Nach Inaugenscheinnahme des Platzes meinte Superintendent Juhle, wenn die Andreas¬kirche, die ja doch nur als Käufer und Bauherr in Frage kam, von dem oberen Teile des Landes 15 Ruten kaufen würde, so würde dies zum Bau einer Kapelle genügen. Herr Amtsrat Lambrecht, Weferling und ich traten aber energisch dafür ein, das ganze über 3 Morgen große Stück zu kaufen. Als wir den Hildesheimer Herren sagten, wenn wir nicht das ganze Stück kauften, dann würden Harsumer katholische Einwohner das untere Teil des Stückes kaufen, und weil dann kein Weg zu unserm Grundstück führe, würde uns der Zutritt zur Kapelle abgeschnitten. Dies leuchtete den Hildesheimer Herren auch ein, und es wurde beschlossen, dem Kirchenvorstande den Kauf des ganzen Grundstücks vorzuschlagen.
Ich wurde zu der nächsten Kirchenvorstandssitzung von St. Andreas eingeladen, um die Wünsche der Harsumer Evangelischen vorzutragen. Außer den beiden Kirchenvorstehern des Nordbezirks, Kaufmann Mehm und Malermeister Müller, die bei der Besichtigung des Platzes waren, traten Justizrat Matthae und Apotheker Amm für den Bau der Kapelle ein und derselbe wurde beschlossen.
Nachdem Herr Oberregierungsrat Dr. Gerstberger von der Eisenbahn-Direktion Hannover den Platz, auf den die Kapelle gebaut werden sollte, nochmal besichtigt und mir freund¬lichst seine Unterstützung zugesagt hatte, wurde der Platz bis etwa zur Mitte des davorliegenden Teiches von der Königl. Eisenbahn-Direktion Hannover an die St. Andreaskirche ver¬kauft. Das vordere Stück des Teiches behielt sich die Eisen¬bahn aus dem Grunde vor, weil beabsichtigt war, durch den Teich einen Verbindungsweg nach der Dorfstraße zu legen. Der Kaufpreis für das Grundstück betrug rund 3600 Mark.
Sobald im Dorfe Harsrum bekannt war, daß der Platz von St. Andreas angekauft sei um auf demselben eine lutherische Kapelle zu bauen, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt dies zu verhindern. Der katholische Pfarrer Mellin, Gemeindevorsteher Giele und die Hofbesitzer Steinmann in Harsum und Borsum (unsere besonderen Freunde) beriefen eine vertrau¬liche Versammlung nach der Niemann'sehen Gastwirtschaft, zu der nur Katholiken geladen und zugelassen wurden.
Herr Amtsrat Lambrecht, der von der Sache Wind bekomnen hatte, kam den Nachmittag zu mir und bat mich, doch jemand zu dingen, der zu der Versammlung ginge und mir Be¬scheid sagte, was dort beschlossen sei. Ich setzte mich mit einem meiner Weichensteller in Verbindung, der zu der Ver¬sammlung gehen sollte. Dies wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn als ich am nächsten Morgen um 7 Uhr zum Dienst ging, stand der Käsefabrikant Franz Fiene in der Tür meines Dienstzimmers rief mir von weitem schon freundlich: "Guten Morgen" zu und sagte; "Herr Vorsteher, ich bringe Ihnen Neuigkeiten, Sie werden versetzt!" Ich war zuerst verdutzt, doch faßte ich mich gleich wieder und sagte: „Wer hat das bestimmt?" Darauf sagt Fiene: „Die Gemeinde Harsum hat es gestern Abend beschlossen.“ Wie ich darauf lachend erwiderte: "Die Harsumer haben doch über mich nicht zu bestimmen!" sagte Fiene: "Wir haben ge¬stern Abend Versammlung gehabt, weil die Lutherischen sich eine Kirche bauen wollen, und das soll unter allen Umständen
verhindert werden. Der Pastor Mellln, der die Versammlung leitete, hat gesagt: ''Erst kaufen wir die Domäne, dann werden wir den Amtsrat Lambrecht los mit samt seinen lutherischen Arbeitern und die Eisenbahnbeamten, die fliegen, da werde icl schon für sorgen!“ Hierauf habe Fiene zu dem Pastoren gesagt: „Herr Pastor, den Vorsteher Ohlmer bringen Sie nicht weg, den behalten wir! Ebenso behalten wir Geschäftsleute die übrigen Bahnbeamten, denn wir müssen mit ihnen arbeiten.“ Wie die Gebrüder Steinmann, der Pastor und Giele die Gebäude und die Ländereien der Domäne unter die einzelnen Einwohner von Harsum verteilen, Steinmann-Borsum sämtliche Gebäude und die besten 300 Morgen Land für sich beansprucht, die Käsefabrikanten das fernliegende Land haben sollen, geraten die Versammelten hart aneinander. Fr. Fiene sagt zum Pastoren: "Morgen früh ist mein erster Gang nach dem Bahnhofe und dann sage ich dem Vorsteher Ohlmer, was hier vorgegangen ist." Zu Steinmann-Borsum habe er gesagt: „Jochen, Du bist ja höllisch klug geworden, in der Schule, wo Du bei mir saßest, warst du doch so dumm!“ Fiene hat sein Wort gehalten. -
Als am selben Nachmittag Herr Amtsrat Lambrecht zu meiner Wohnung kam, konnte ich ihm bereits alles mitteilen, was in der fraglichen Sitzung beschlossen war.
Für uns Evangelische war nun guter Rat teuer, kaufte die Gemeinde die Domäne und mußte Amtsrat Lambrecht mit den evangelischen Arbeiterfamilien fort, dann konnte die Kapelle nicht gebaut werden, denn ohne die vom Amtsrat Lambrecht zu erwartende Hilfe würde die ganze Sache hinfällig.
Da der älteste Bruder der Gebr. Steinraann in Hildoshelm Generalvlkar war und bei der dortigan Regierung ein-und ausging, war es diesem ein leichtes, den Verkauf der Domäne Harsum in die Wege zu leiten, zumal die Neuverpachtun derselben vor der Tür stand. versammelten wir Evangelischen uns unter Aus¬schluß von Amtsrat Lambrecht und berieten, was geschehen sollte. Schließlich kamen wir dahin überein, in unserer Not uns mit einem Bittgesuch um Hilfe an Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen unter Darlegung des wahren Sachverhalts zu wenden. Uns an den Kaiser zu wenden, hielten wir für untunlich. Man bat mich, das Gesuch um Beistand aufzusetzen, was ich dann auch getan habe. Die Firma Fischer und Fassbender in Hildesheim hat dasselbe abgetippt und an den Kronprinzen abgesandt.
Etwa 8 Tage nach der Absendung des Schriftstückes erhielten wir von dem Adjutanten des Kronprinzen, Herrn v. Stülpnagel, die Mitteilung, daß unser Gesuch eingegangen sei und die Sache untersucht würde. Nach etwa 3 Wochen erhielten wir vom Kronprinzen die Mitteilung, daß unsere Angaben sich bewahrheitet hätten, und er verspräche uns, daß die Domäne für ewige Zeiten in evangelischen Händen bliebe.
Kurze Zeit darauf kam Herr Amtsrat Lambrecht zu mir und sagte, er habe vom Landwirtschaftsminister v.Schorlemer-Alst ein Schreiben bekommen, worin er aufgefordert würde, sich im Landwirtschaftministerium einzuflnden. Er wüßte nicht, was das zu bedeuten hätte. Ich sagte ihm darauf; „Dann fahren Sie nur hin," Obwohl ich wußte, um was es sich handelte, sagt ich nichts davon, was geschehen war,
Ich muß hier noch hinzufügen, daß, als in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Harsumer katholische Kirche abgebrannt und eine neue (dia jetzige) Kirche gebaut wurde, Amtsrat Lambrecht fast sämtlichen zum Bau nötigten Sand als Protestant unentgeltlich gefahren hat.
Hatte das Harsumer Krankenhaus an irgend etwas Bedarf, z.B Milch, Lebensmittel, Futter für sein Vieh, dann wurde nach der Domäne geschickt, die Sachen worden unentgeltlich geliefert. Aus Dank dafür sollte Amtsrat Lambrecht aus Harsum verschwinden. Das ist echte katholische Christenliebe.
Als Amtsrat Lambrecht von Berlin zurückkam - ich sehe noch immer sein voll Freude strahlendes Gesicht-, kam er auf mich zu, faßte mich an mein rechtes Ohr und sagte:
"Sie Lork, warum haben Sie mir nichts davon gesagt, was Sie unternommen haben?" Ich sagte: "Herr Amtsrat, es war doch besser, daß Sie unbeteiligt waren." Da erzählte er mir, wie der Minister v. Schorlemer-Alst ihn über alles ausgefragt und ihn dabei scharf beobachtet hätte. Er (L.) habe aber stets der Wahrheit gemäß geantwortet. Schließlich habe der Minister ihn gefragt: „Dann möchten Sie die Domäne wohl gern wieder pachten?" Auf seine bejahende Antwort hätte der Minister, dann ihn noch nach seinem Alter gefragt, ihm eröffnet: Dann verpachte ich Ihnen hiermit die Domäne auf weitere 18 Jahre." Wie Amtsrat Lambrecht mir sagte, konnte ihm keine größere Freude bereitet werden. Denn, wenn die Domäne öffentlich verpachtet wurde, hätte ich sie entweder nicht wieder kommen, oder ich hätte müssen sehr hohe Pacht bezahlen.
Dies alles hatten wir dem Eingreifen Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen zu verdanken.
Nun konnte mit dem Bau der Kapelle begonnen werden. Wie schon gesagt, war Bauherr der Kirchenvorstand von St. Andreae. Daß wir Harsumer Evangelischen vielen Glaubensgenossen
einen Herzenswunsch erfüllt hatten, bewiesen die allseitigen Hilfeleistungen, die uns beim Bau der Kapelle erwiesen wurden. Nicht nur durch Geldgeschenke, sondern auch vor allen Dingen durch Lieferung von Baumaterialien, kostenlos zur Baustelle gebracht. Die umliegenden lutherischen Dörfer Rautenberg, Soßmar, Clauan, Bründeln, Lühnde, Bledeln, Hotteln und Gödrigen brachten Steine und Mauersand. Von der Eisenbahn erhielten wir abgesetzten Kies zum Ausfüllen des inneren Grundes der Kapelle, da das Wasser des Teiches bis in dieselbe trat. Um diesen Kies leichter vom Bahngelände bis zur Baustelle zu bekommen, war ein Kleingleis gelegt, das auch über den Fußweg der Gemeinde gelegt war. Dies wurde uns von der Gemeinde untersagt, aber vom Landrat wurde es wieder gestattet.
Mit den Anliegern unseres Grundstückes, die nur einen schmalen Streifen vor ihren Grundstücken hatten liegen lassen, wurde ein Abkommen getroffen, daß wir genau solch breiten Streifen von dem Kapellengrundstück liegen lassen wollten, und dass das Ganze ein ordentlicher Weg sein sollte. Hiermit waren die Anlieger gern einverstanden. Natürlich sollte es Privatweg bleiben.
Der Bau der Kapelle wurde Herrn Hartjenstein und dessen Schwager übertragen. Herr Weferling solle jedoch die Bauleitung haben. Die Maurerarbeiten erhielt der in Harsum wohnende Maurermeister Eckhardt (Katholik), die Zimmerarbei¬ten Herr Stucke, Hildesheim.
Als das Fundament der Kapelle so weit gediehen war, wurde am 10. November 1910 der Grundstein gelegt. Herr Superintendent Juhle nahm die Weihe desselben vor. In dem eingelegten Schriftstück sind die Namen von Pastor Brandt, Amtsrat Lambrecht und Bahnhofsvorsteher Ohlmer als Gründer der Kapelle bezeichnet. Der Bau derselben wurde ohne jeglichen Unfall vollendet. Vorn links in den Bau wurde ein Zimmer hergerichtet, das als Schulzimmer und auch als Versammlungsraum dienen sollte. Die Schulbänke wurden vom Magistrat der Stadt Hildesheim geschenkt. Die Altardecken wurden von den Töchtern des Herrn Amtsrat Lambrecht gestiftet. Die Kapelle erhielt 2 Glocken, von denen die eine von der Familie des Amtsrats Lambrecht und ddie andere von Herrn Glockengiesser C. Radler gestiftet wurde. Zu dem Guss derselben wurden die Gemeindeglieder eingeladen. Herr Pastor Brandt hielt, als der Guss gelungen war, eine Ansprache. Beide Glocken wurden ohne Unfall in dem Turm der Kapelle aufgehängt.
Grosse Flächen des Grundstücks, namentlich um den Teich herum, befanden sich in einem minderwertigen Zustand, da der gute Boden beim Bahnbau abgetragen war. Um diese Flächen nutzbar zu machen, hat Amtsrat Lambrecht eine Unmege Fuhren Zuckerfabrikerde namentlich um den Teich und die Kapelle fahren lassen und dadurch diese Flächen in einen ertragreichen Zustand versetzt. Die Gärtnerei Gebr. Palandt, Hildesheim, hat sämtliche Obstbäume, Rosen und Gesträcher, die um den Teich und die Kapelle gepflanzt sind, unentgeltlich geliefert.
Das Grundstück um den Teich bis hinter die Kapelle wurde mit einer dauerhaften Einfriedung versehen. Es blieben von dem ganzen Grundstück noch etwa 130 Ruten gutes Land übrig, welches an die lutherischen Gemeindemitglieder zu einem angemessenen Preis verpachtet wurde.
Nachdem der Bau der Kapelle im Herbst 1911 vollendet und das um dieselbe liegende Gelände in einen würdigen Zustand gesetzt, der vor der Kapelle liegende Teich schön mit Weiden bepflanzt war, wurde beschlossen, die Eiweihung des Gotteshauses am 19.November 1911 vorzunehmen. Hierzu wurden alle umliegenden lutherischen Ortschaften und unsere Hildesheimer Gönner freundlichst eingeladen. Der Ort Haraum hat wohl nie zuvor so viele lutherische Geistliche, Männer und Frauen als an diesem Tage gesehen.
Zunächst wurde von unserem bisherigen Betsaale Ab¬schied genommen und von hier aus begab sich die Festgemeinde zu der Kapelle. Hier, und zwar in derselben hielt zuerst Herr Generalsuperintendent Hoppe die Einweihung und darauf Herr Pastor Brandt die Festpredigt. Da das Innere der Kapel¬le nur den kleineren Teil der Festteilnehmer fassen konnte, hielt Herr Pastor Croma, Hildesheim, vor der Kapelle ebenfall eine Festpredigt. Während des Umzuges und nach der Feier ließen die beiden Glocken ihre schönen Stimmen zur Freude aller Festteilnehmer erklingen. Der Posaunenchor von Andreas¬ Nord verschönte durch seine Spiele die erhebende Feier. Nach Beendigung der Feier versammelten sich viele Festteilnehmer in der Niemann'schen Gastwirtschaft oder auch bei befreunde¬ten Familien.
Die Einweihung dieses ersten lutherischen Gottes¬hauses in der fast rein katholischen Umgebung Hildesheims kann wohl als der Denkwürdigste für die Lutheraner des Stif¬tes Hildesheims betrachtet werden, denn .jetzt ist die erste Bresche in den festen katholischen Ring um Hildesheim gebrochen. Hoffentlich werden weitere Einbrüche folgen.
Außer Pastor Brandt haben die Herren Pastoren Reverey-Bautenberg, Heldemarm-Soßmar, Alpers-Clauen und Goßmann-Hohenhameln oft in unserer Kapelle Gottesdienste gehalten. Letzterer hat die erste Trauung in derselben vorgenommen. Erst als Generalsuperintendent Hoppe es nicht wünschte, daß die vorgenannten Geistlichen nach Harsum kamen, sind sie zurückgeblieben.
Ich möchte auch erwähnen, daß ein katholischer Landwirt aus Harsum zum Bau der Kapelle einen Beitrag zugesteuert hat: Im Herbst 1910 war ich eines Abends auf der Ladestrasse des Bahnhofs, als der Landwirt Heinrich Machens, der Rüben verladen hatte, zu mir kam und mich fragte, ob es wahr wäre, daß die Lutherischen sich eine Kapelle bauen wollten. Als ich ihm das bejahte, sagte er: "Das freut mich!“ Dann er¬zählte er mir, daß er 1864 nach Northeim als Soldat gekommen sei und dort viele lutherische Kameraden kennen gelernt habe. In Harsum sei ihm stets gesagt, er solle sich vor den Lutherischen in Acht nehmen, das seien schlechte Leute. In Northeim, wo die Leute doch lutherisch seien, und namentlich bei seinen Kameraden, habe er das Gegenteil gefunden, denn die habe er als aufrichtige und wahrheitsliebende Menschen kennen gelernt. Er freue sich noch heute, wenn er mal mit einem Lutherischen sprechen könne, denn dann wüßte er, daß er einen aufrichtigen Menschen vor sich habe. „Denn wie haben die hier mich gehabt. Als mein Bruder, dem der Hof hörte, auf dem Sterbebette lag, hat man mich zur Apotheke nach Hildesheim geschickt. Inzwischen hat Giele den Rechtsanwalt Förster auf den Fern¬sprecher bestellt und den Kaplan (jetzt Pastor in Asel) geholt und haben Testament gemacht. Als ich zurückkam, war mein Bruder gestorben. Mein Sohn teilte mir das Vorgefallene mit. Wie das Testament eröffnet wurde, stand der Kaplan mit 6000 Mark obenan. Das Letzte war, daß auf das Stück Land, das nach Förste liegt, für Messelesen eine Hypothek von 150 Mark ein¬getragen war. Ich habe aber diese 150 Mark bar bezahlt und die Hypothek gelöscht, da unser Hof nicht kirchlich belastet werden sollte, wie es die meisten Höfe in Harsum sind. Machens versprach mir, daß auch er seinen Beitrag zu der Kapelle geben wolle. Nachträglich hat er mir 20 Mark (Goldstück) gegeben. Der Bauunternehmer bei der Kalibahn, Herr Plinke, spendete auch 50 Mark.
Weil die geplante Anschüttung durch den Teich nicht stattfand und dies in Haraum bekannt wurde, war von dem Elektrizitätswerke Harsum - Steinmann in Borsum bei der Eisenbahndirektion Hannover der Antrag gestellt, ihm das untere Teil des Teiches zu verkaufen. Hierdurch wäre, wie auch wohl beabsichtigt, alsdann viel Streit mit der evangelischen Gemeinde entstanden. Sofort nach Eingang des Antrages hatte sich Geheimrat Deufel in den nächsten nach Harsum fahrenden Zug gesetzt und war nach dorthin gefahren. Nachdem er ausgestiegen war, sagte er zu mir: "Nun sofort Antrag stellen, daß die evangelische Gemeinde das untere Stück des Teiches kaufen will.“ Amtsrat Lambrecht, Superintendent Juhle und Pastor Brandt wurden sofort herbeigerufen, um den Antrag zu stellen. Nun handelte es sich aber um Hergabe des Kaufgeldes. Da Superintendent Juhle erklärte, die Andreasgemeinde kann das Geld nicht mehr hergeben, Amtsrat Lambrecht nicht mehr zugemutet werden konnte, auch dieses Geld noch zu bezahlen, habe ich mich bereit erklärt, den Kaufpreis der Gemeinde vorzustrecken, und zwar ohne Zinsen und unkündbar, da sonst das Grund¬stück für die Gemeinde verloren war. Ich habe dann an die Stationskasse Harsum 480 Mark eingezahlt und damit gehörte das ganze Grundstück der evangelischen Gemeinde.
Bei den wiederholten Besuchen, die Geheimrat Deufel und Reg.-Rat Conitz während des Kapellenbaues Harsum abstatteten, wurde Herr Amtsrat Lambrecht auch mit diesen Herren, namentlich dem ersteren, näher bekannt. Ich habe dann auch vermittelt, daß die Eisenbahn-Direktion Hannover das zwischen Harsun und Algermissen liegende etwa 17 Morgen große Grundstück mit 3 Teichen an Amtsrat Lambrecht verkaufte. Dieser plante, daß dies Grundstück bezw. dessen Erträge später der Kapelle zu gute kommen sollten. Leider sind ja inzwischen in Deutschland so traurige Zustände eingetreten (auch inbetreff der Domäne, dass die nachherige Regierung das der evangelische Gemeinde vom Kronprinzen gegebene Versprechen mißachtete), so daß dieser hochherzige Plan wohl kaum in Erfüllung gehen wird.

Zu unserem Bedauern war das Grundstück des inzwi¬schen verstorbenen Architekten Weferling derart verschuldet, daß es verkauft werden mußte. Da dasselbe in unmittelbarer Nähe der Kapelle lag, wurde von uns beschlossen, dasselbe für die evangelische Gemeinde anzukaufen und es evtl. als Wohnung für den lutherischen Pastoren zu benutzen. Auf unseren
Antrag an die Kirchenbehörde besichtigte Herr Generalsuper¬intendent Hoppe das Grundstück, fand alles ganz schön, aber leider stehe zum Ankauf desselben kein Geld zur Verfügung, wie er sagte, auch wäre das Haus für einen Pastoren zu klein. Dies war doch wohl nur eine Ausrede. Wir sahen uns von der Kirchenbehörde im Stich gelassen anstatt für uns einzustehen. Nun wurde beschlossen, das Grundstück, das aus einem massiven neuen Hause, Stallungen und 1/2 Morgen großen Garten bestand, doch zu kaufen, und es vorläufig auf den Namen von Herrn Pa¬stor Brandt eintragen zu lassen. Dieser übernahm sämtliche auf dem Grundstück ruhenden Hypotheken - etwa 14 000 Mark - und da hiermit die Schulden nicht alle gedeckt waren, vermittelte Herr Landgerichtsdirektor v.Campe noch 1650 Mark vom Evangelischen Bunde. Dieser Betrag wurde ebenfalls unverzinslich und unkündbar hergegeben. Herr v.Campe kam nach Harsum und hat den Kaufvertrag aufgesetzt.
Das Haus wurde mit wenig Kosten zu zwei Wohnungen um¬gebaut und eine Wohnung (die größere) an die Regierung für den Gendarmen verpachtet. Der Inhaber der anderen Wohnung sollte zugleich den Kirchendienst versehen.
Alle lieben Beteiligten haben durch ihre tatkräftige Hilfe an der Gründung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Harsum geholfen und sich dadurch ein dauerndes Andenken erworben.
Möge die Gemeinde treu zusammenhalten und sich im¬mer mehr befestigen.

Heersum, im Jahre 1925.
gez. Ernst Ohlmer, Bahnhofsvorsteher i. R.